Paul Meier (Foto: Kenny Beele • spofo.de)

Interview

„Mir geht es darum, wie wir die Zukunft unsere Sportart sichern und ihre Attraktivität steigern können!“

Paul Meier, Präsident des Zehnkampf-TEAMs, gibt einen Einblick in seine Gedankenwelt, spricht über die Attraktivität des Mehrkampfs und seinen Vorstoß, sich mit einem Achtkampf zu beschäftigen.

Paul Meier kann Menschen bewegen und berühren. Das hat er 1993 als Athlet bewiesen, als mehr als 50.000 Zuschauer hautnah seinen WM-Bronzemedaillen-Zehnkampf begleiteten, und aktuell sorgt er mit seinem Vorschlag, sich über einen Achtkampf Gedanken zu machen, für einen erhöhten Pulsschlag in der Mehrkampfwelt und darüber hinaus. Warum er dieser Meinung ist und was ihn dazu bewegt, darüber spricht er im zehnkampfteam.de-Interview.

 

zehnkampfteam.de: Paul, erst am Freitag wurdest Du als Präsident des Zehnkampf-TEAMs wiedergewählt und nun verfolgst Du Pläne, den Zehnkampf durch einen Achtkampf zu ersetzen?

Paul Meier: „Vorab möchte ich klar stellen, dass ich diesen Vorschlag als ,Paul Meier’ gemacht habe und nicht in offizieller Funktion als Präsident des Zehnkampf-TEAMs oder gar als Sprachrohr des deutschen Zehnkampfs. Von daher repräsentiert dieser Vorschlag, oder sagen wir besser diese Idee, auch nicht das Meinungsbild des deutschen Zehnkampfs, sondern ist mein Versuch, Bewegung in die Szene zu bringen: Ich bin der Meinung, dass es durchaus notwendig ist, dass sich im Zehnkampf etwas verändern muss!“

Wieso denkst Du, dass der Zehnkampf sich verändern muss? Wir haben doch gerade in Ratingen ein Zehnkampf-Fest erlebt.

„Das stimmt, und ich bin immer noch total begeistert von den Leistungen, die die Athleten am Wochenende gezeigt haben. Und gerade weil mir der Mehrkampf am Herzen liegt, soll diese tolle Sportart auch weiterhin die Menschen begeistern und ein großes Publikum erreichen. So toll das Mehrkampfmeeting war und so herausragend die Leistungen waren, gehört auch zur Wahrheit, dass die Starterfelder kleiner werden, sich zunehmend weniger Athleten für Zehnkampf entscheiden und der Mehrkampf bei den Großereignissen zunehmend eine Randerscheinung wird.“

Und dann ist ein Achtkampf die Lösung?

„Es geht mir doch nicht primär um einen Achtkampf. Mir geht es darum, dass wir uns aktiv damit beschäftigen, wie wir die Zukunft unsere Sportart sichern können und die Attraktivität steigern können. Die Ideen, die ich formuliert habe, sollen Ansätze und Möglichkeiten aufzeigen. Ich bin definitiv nicht der Meinung, dass ein Zehnkampf für Frauen und Männer, zu mehr Attraktivität führt und glaube auch nicht, dass Sieben- und Zehnkampf in der heutigen Form für viele Menschen attraktiv genug sind, um sie zu erreichen und die Sportart vermarkten zu können.“

Das klingt fast schon wie ein Rückzieher vom Achtkampf-Ansatz.

„Nein, die Reduktion auf acht Disziplinen ist doch nicht willkürlich oder zufällig. In meinem Vorschlag habe ich Stabhochsprung und Diskuswurf aus gutem Grund zur Disposition gestellt, denn diese beiden Disziplinen benötigen in vielerlei Hinsicht einen hohen Aufwand: Trainingsmethodik und Infrastruktur werden benötigt, Geräte- und Zeitaufwand sind vergleichsweise hoch. Ich schaue mir ja nicht nur die paar Top-Zehnkämpfe an, sondern bin auch viel auf Nachwuchswettkämpfen und in kleinen Sportvereinen unterwegs. Für viele Länder, Vereine, Trainer und Talente wäre es eine deutliche Erleichterung, wenn diese Disziplinen wegfallen würden. Große Teile der Welt würde der Zugang zum Mehrkampf deutlich erleichtert und ich bin der Überzeugung, dass sich mehr neue und spannende Talente auf den Weg machen würden, Mehrkämpfer zu werden. Zeitpläne könnten gerafft, Wettkämpfe könnten kompakter und so die Attraktivität gesteigert werden.“

Ohne Zweifel interessant, aber dafür würdest Du die mehr als 100-jährige Tradition des Zehnkampfs in seiner jetzigen Form opfern wollen?

„Das ist ein schwerwiegendes Argument und tatsächlich keine leichte Frage. Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich den Zehnkampf liebe und dass ich von ganzem Herzen Zehnkämpfer bin. – Und auch Stabhochsprung und Diskuswurf sind tolle Disziplinen. Veränderungen aber sind oft unbequem und der Weg zu neuen Ufern ist oftmals beschwerlich und mit Opfern verbunden. Die Frage ist für mich vielmehr, ob der König der Athleten am Ende ein König ohne Königreich ist? Die Leichtathletik hat es in Summe nicht leicht, Talente und die breite Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. Das gilt auch für den Mehrkampf. Natürlich kann man der Meinung sein, dass die lange Tradition des Zehnkampfs ausreicht und Veränderungen nicht notwendig sind, aber ein König (der Athleten) sollte weitsichtig sein und die Zeichen der Zeit erkennen.“

Und Du bist der Meinung, ein solch radikaler Schritt ist notwendig?

„Ich kann nicht in die Zukunft schauen, aber ich glaube, dass Veränderungen im Zehnkampf sehr gut in die Zeit passen. Ich möchte mich wiederholen, mir geht es nicht darum, den Zehnkampf abzuschaffen sondern darum, den Mehrkampf attraktiver und zukunftsfähig zu gestalten. Wenn dazu Veränderungen notwendig sind bin ich gerne bereit, darüber kontrovers zu diskutieren und revolutionäre Vorschläge einzubringen. Ich liebe Zehnkampf aufgrund seiner Vielseitigkeit, der Herausforderung sich unterschiedlichen Disziplinen zu stellen, physische wie psychische Aufgaben zu bewältigen und in einem fairen Wettkampf den vielseitigsten Athleten zu finden – und zwar den vielseitigsten Athleten der ganzen Welt. Ob es dazu zehn oder acht Disziplinen braucht, weiß ich nicht. Ich habe eine Idee präsentiert, die aus meiner Sicht gut durchdacht und sinnvoll ist, um neue Impulse zu setzen. Ich würde mir eine ergebnisoffene Auseinandersetzung wünschen, um im Sinne des Mehrkampfs spannende und attraktive Lösungen zu finden, die unsere tolle Sportart für viele Talente und Zuschauer attraktiver macht. Tradition alleine oder ein einfaches ‚Weiter so!‘ finde ich als Argumente ebenso wenig ausreichend wie der Blick auf einzelne Wettkämpfe.“

Wie geht es jetzt mit der Idee weiter?

„Das ist tatsächlich schwer zu sagen. Ich denke, dass von ,Alles bleibt wie es ist!’ bis zu tiefgreifenden Veränderungen alles möglich ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass in der gesamten Mehrkampf-Welt viele kreative und vielseitige Menschen sind, die tolle Ideen und Lösungen finden können. Schließlich lieben Zehnkämpfer und Siebenkämpferinnen Herausforderungen. Ich würde mir wünschen, dass mein Ansatz nicht einfach kopfschüttelnd vom Tisch gewischt wird, sondern als Aufforderung zum Nachdenken verstanden wird. Aber, wie auch immer ein Ergebnis aussehen kann, ich glaube nicht, dass es schnell gehen wird.“

Und wenn alles beim alten bleibt?

„Dann verpassen wir wahrscheinlich eine Chance. Als Präsident des Zehnkampf-TEAMs werde ich mich aber weiterhin, wie in den letzten 12 Jahren, für den Zehn- und Mehrkampf einsetzen, und mich mit Leidenschaft im Hintergrund und wenn notwendig auch im Vordergrund für die schönste Sportart der Welt einsetzen. Mein Engagement hängt weder an der ,10’ noch an der ,8’, sondern daran, dass ich der festen Überzeugung bin, dass die Vielseitigkeit eine herausragende Fähigkeit ist und der Mehrkampf eine der spannendsten Herausforderungen ist, der junge Menschen sich stellen können!“

Top Ten 2017

1. 8663 Freimuth, Rico

2. 8488 Kazmirek, Kai

3. 8294 Brugger, Mathias

4. 8201 Wieland, Luca

5. 8028 Enahoro, Ituah

6. 8009 Stauß, Rene

7. 7873 Blech, Torben

8. 7781 Nowak, Tim

9. 7780 Hutterer, Dennis

10. 7735 Bollinger, Marvin

TEAM-App für Smartphones

iOS-App
Die App fürs iPhone im iTunes-Store

Windows Phone-App
Die App für die Windows-Welt

Android-App
In Vorbereitung