Möchte in Ratingen hoch hinaus: Jan Felix Knobel (Foto: Kenny Beele • spofo.de).

Zehnkampfteam

Knobel geht "Projekt Olympia" an

Beim Erdgas Mehrkampf-Meeting in Ratingen steht nach den Absagen von Michael Schrader und Arthur Abele der WM-Achte von 2011, Jan Felix Knobel, im Mittelpunkt.

Eigentlich könnte Jan Felix Knobel der letzten "Bauphase" seines nächsten Groß-Projekts relativ entspannt entgegensehen. Doch wer den 23 Jahre alten Architektur-Studenten kennt, weiß, dass der Frankfurter bei jedem Wettkampf die Messlatte für sich selbst sehr hoch legt: "Die Ausgangssituation scheint nach der Absage von Arthur Abele und Michael Schrader komfortabel zu sein, zumal ich ja mit meinem 8200 Punkten als Achter bei der WM 2011 in Daegu die Olympia-Norm erreicht habe und ,nur' einen entsprechenden Leistungsnachweis (8000 Punkte – Anmerkung der Redaktion) erbringen muss. Aber mein Anspruch ist es grundsätzlich, eine gute Leistung abzuliefern, vor allen Dingen auch in Ratingen, wo eine tolle Wettkampfatmosphäre herrscht", sagt der U20-Junioren-Weltmeister von 2008 kurz vor dem traditionellen Erdgas Mehrkampf-Meeting, der letzten Hürde auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in London. Diese hatten Rico Freimuth und Pascal Behrenbruch in Götzis bereits erfolgreich überwunden.

Dabei freut er sich vornehmlich auch auf den für einen Zehnkampf eher unüblichen Zeitplan. Am Donnerstag und Freitag beginnen die Wettkämpfe jeweils um 17.00 Uhr und enden gegen 22.45 Uhr. "Ich bin ein typischer Abendmensch und werde quasi erst abends richtig wach. Zudem liebe ich Zeitpläne, die eng gestrickt sind, wo alles zackig hintereinander läuft", sagt der mit einer Bestleistung von 8288 Punkten zu Buche stehende Mehrkämpfer, mit dem der Veranstalter in offenbar weiser Voraussicht sein Veranstaltungsplakat "dekoriert" hatte. Trotz der "üblichen" Anfangszeiten hatte er zunächst auch in Götzis gezeigt, dass er sich auch in diesem Jahr im Kreis der besten deutschen Zehnkämpfer etabliert hat. Nach drei Disziplinen im Soll musste er beim Einspringen zum Hochsprung aufgeben. "Ich hatte vor Götzis Vieles im Kopf, was nicht gerade leistungsfördernd war. Ich kann nur so viel sagen, dass meine Trainingsleistungen vor Ratingen besser sind als die vor Götzis", sagt Knobel, der gerne hervorhebt, dass seine guten Resultate in den letzten Jahren nicht das Ergebnis eines "Solo-Projekts" sind: "Ich bin nicht auf mich alleine gestellt, habe einen exzellenten Betreuerstab um mich herum und zudem in Zehnkampf-Bundestrainer Rainer Pottel und Mehrkampf-Bundestrainer Claus Marek zwei Personen an meiner Seite, die entsprechend regulierend in meinen Wettkampf eingreifen können. Das bringt eine Menge Sicherheit."

Seine Trainingsschwerpunkte hat Jan Felix Knobel in den letzten Jahren nicht großartig variieren müssen. "Wenn man sich meine beiden Tage anschaut, sieht man, dass diese fast punktgleich sind. Sicherlich würde ich über 100 Meter gerne einmal unter elf Sekunden laufen, aber ich bin halt nicht der explosive Typ. Ein gezieltes Sprinttraining ist sehr trainingsintensiv, der Aufwand, um dann vielleicht eine Zehntelsekunde schneller zu sein, wäre nicht gerechtfertigt. Ich weiß, dass ich in der Lage bin, diesen Nachteil gegenüber der Konklurrenz von Disziplin zu Disziplin wettzumachen", meint der Schützling von Trainer Jürgen Sammert. Dabei "fehlt" ihm im Training bereits seit längerer Zeit sein einstiger Mannschaftskamerad Pascal Behrenbruch, den es zu Erki Nool nach Estland verschlug. "In der Öffentlichkeit ist teilweise ein Streit hochgespielt worden, den es so gar nicht gab. Wir hatten nie ein direktes Problem miteinander, sondern haben sogar voneinander profitiert", sagt Knobel und zieht damit einen Schlussstrich unter ein leidiges Thema. Sein Architektur-Studium hat er momentan "geparkt", sagt aber: "Das ist meine Sicherungsleine. Ich werde das Studium sicherlich weiterführen. Aber im Moment ist es so, dass meine ganze Aufmerksamkeit, meine Motivation und Konzentration der Olympiavorbereitung gilt."

In Ratingen wird sich Jan Felix Knobel international mit den starken Kubanern Yordanis Garcia, Yunior Diaz und Leonel Suarez, die in Götzis noch hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, auseinandersetzen müssen. Zudem gibt auch Vorjahressieger Larbi Bouraada (Algerien) seine Visitenkarte ab. National setzt Ex-Hallen-Weltmeister André Niklaus, letztmals 2005 in Ratingen auf dem Siegertreppchen, seine Comeback-Tour fort, die vor drei Wochen in Ulm mit 7797 Punkten begann. Ebenfalls am Start ist der 8000-Punkte-Zehnkämpfer Simon Hechler (Team Saar), der in Götzis mit 7879 Punkte einen guten Saisoneinstieg verbucht hatte. Beide treffen mit Steffen Kahlert (7877 Punkte in Ulm) und Matthias Prey (7863 Punkte in Ulm) auf zwei weitere Athleten in einem ähnlichen Leitungsbereich. Man darf also gespannt sein, wie sich die deutschen Zehnkämpfer beim Abend-Zehnkampf in Ratingen präsentieren, da es nicht nur um Olympia geht, sondern auch um die Startplätze für den Thorpe Cup, den Ländervergleich gegen die US-Amerikaner am 21. und 22. Juli in Marburg.

Top Ten 2018

1. 8481 Abele, Arthur

2. 8329 Kazmirek, Kai

3. 8304 Brugger, Mathias

4. 8229 Nowak, Tim

5. 8220 Kaul, Niklas

6. 8121 Eitel, Manuel

7. 8048 Enahoro, Ituah

8. 8032 Hutterer, Dennis

9. 8012 Obst, Florian

10. 7547 Bollinger, Marvin

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