Christopher Hallmann (li) ist bei Zehnkämpfen präsent, wie hier in Ulm: Neben seinem ehemaligem Trainer Hinrich Brockmann sitzend ist er Teil des Betreuerteams von Matthias Prey. Unten rechts ist auch Arthur Abele zu sehen (Foto: Kenny Beele œ spofo.de).

Zehnkampfteam

„Ich bereue keine Sekunde!“

Christopher Hallmann gibt seinen Rücktritt bekannt! – Das erklärt, warum der 8000-Punkte-Zehnkämpfer bei den letzten Wettkämpfen nicht in den Starterlisten zu finden war.

Als er mit neun Jahren erstmals beim Training des Essener Leichtathletik-Clubs SC Grün-Weiß Schönebeck auftauchte, wollte er gleich „alles machen.“ Sieben Jahre später war das „Alles“ bei seinem ersten Zehnkampf anlässlich der Westfälischen Jugendmeisterschaften im Trikot des TV Gladbeck schon recht ansehnlich. Nachdem er 2002 Platz sieben bei der U20-WM erreicht hatte, erklomm er unter seinem Coach Heiner Preute ("Heiner hat mich mental unglaublich stark gemacht.") zwei Jahre später unweit der Alpen in Vaterstetten als Deutscher Meister mit 8045 Punkten bereits erstmals einen „Achttausender“. Da träumte er spätestens von einer großen Zukunft: "Ich hatte Blut geleckt und mir das Ziel gesteckt, mit einer Punktzahl von etwa 8300 Zählern bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking nicht nur einfach dabei zu sein, sondern mich international etabliert zu haben."

Nach zwei Jahren Förderung im Top-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes streikte leider der Oberschenkelbeuger, der Traum vom olympischen Gipfelsturm platzte. Christopher Hallmann wurde 2006 operiert und biss sich durch. Er wollte auf die Bühne des Leistungssports zurück. Unter Hinrich Brockmann, zu dem er 2007 gewechselt war, stand er mit fast 6000 Punkten 2010 noch einmal als Deutscher Hallen-Meister im Siebenkampf ganz oben auf dem Siegerpodest. Es sollte sein letzter großer Erfolg bleiben. Der diplomierte Sportwissenschaftler (Schwerpunkte: Trainingswissenschaften und Sportmedizin) hat jetzt seine Karriere als Zehnkämpfer beendet.

„Um nach meiner Schambeinentzündung wieder auf ein 8000er-Niveau zu kommen, hätte ich weit über ein Jahr reibungsloses Training mit etwa zehn bis 12 Trainingseinheiten pro Woche benötigt. Und Garantien für Leistungen gibt es im Leistungssport nicht. Ich musste perspektivisch denken und bekam gute Jobchancen. Insofern habe ich gehandelt“, erzählt der gebürtige Essener, der nach über einem Jahrzehnt Zehnkampf „keine Sekunde bereut.“

Finanziell habe sich das Ganze nicht gelohnt. „Aber das, was mir der Zehnkampf gegeben hat, hätte mir kein Geld der Welt bescheren können. Du lernst, Ziele zu formulieren, stärkst dein Selbstbewusstsein, erschließt immer neue Wege, um Probleme zu meistern und kannst dies auf dein ganzes Leben übertragen“, sagt der mittlerweile 29-Jährige, der im Herzen von Hamburg nun darauf hofft, dass ein anderer großer Traum von ihm Realität wird. „In meinen Adern fließt Zehnkampf-Blut. Langfristig als Trainer im Leichtathletik-Spitzensport zu arbeiten, das wäre meine Erfüllung“, sagt Hallmann.

Zurzeit arbeitet er noch nicht hauptberuflich in der Leichtathletik, sondern ist als Athletiktrainer im Feldhockey tätig. Die für London 2012 qualifizierten Hamburger Nationalspielerinnen (11 Spielerinnen) werden von ihm im Schnelligkeits- und Kraftbereich trainiert. Zusätzlich ist er hauptverantwortlich für die Athletik beim mehrfachen deutschen Feldhockey-Meister "Club an der Alster". Entsprechend hat er sich bereits erste Meriten im Trainergeschäft verdient. „Der zeitliche Trainingsaufwand im Feldhockey beträgt mindestens 50 Prozent Athletik, da das Spiel sehr viel athletischer geworden ist und die Leistungsdichte im Spitzenbereich sehr eng ist. In den letzten sechs, sieben Minuten eines Entscheidungsspiele kann es sehr eng werden. Wer dann über eine bessere Physis verfügt, verlässt als Sieger den Platz.“ Hallmann fühlt sich in der Hockeyszene wohl und schätzt den gepflegten Umgang untereinander. „Es gibt Spieler bei uns, die um 19.00 Uhr zum Training kommen und danach ihren Arbeitstag fortsetzten.“ Dennoch sagt der Mann, der offenbar „Alles“ kann: „Mein Herz schlägt für die Leichtathletik. Die Zehn wird immer in meinem Herzen stehen!“

Top Ten 2019

1. 8572 Kaul, Niklas

2. 8444 Kazmirek, Kai

3. 8209 Nowak, Tim

4. 8132 Bechmann, Andreas

5. 8128 Eitel, Manuel

6. 8060 Brugger, Mathias

7. 7964 Vollmer, Maximilian

8. 7834 Ruhrmann, Jan

9. 7653 Hutterer, Dennis

10. 7642 Obst, Florian

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