Pascal Behrenbruch (li) gewinnt in Helsinki seinen ersten internationalen Titel; Norman Müller belegt Platz 7 (Foto/Copyright: Iris Hensel).

Zehnkampfteam

Gold für Behrenbruch • Müller auf Rang sieben

Mit neuer europäischer Jahresbestleistung von 8558 Punkten gewinnt Pascal Behrenbruch vor dem Ukrainer Oleksej Kasjanov (8321) und den Russen Ilya Schurenjow (8219) den Europameistertitel.

Pascal Behrenbruch hat sich 41 Jahre nach dem letzten deutschen Zehnkampf-Triumph durch Joachim Kirst zu Europas "König der Leichtathleten" aufgeschwungen. Bei den kontinentalen Titelkämpfen in Helsinki triumphierte der 27 Jahre alte Frankfurter mit der persönlichen Bestleistung von 8558 Punkten vor dem Ukrainer Oleksej Kasjanow (8321), mit dem er sich bis zum Speerwerfen ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatte. Vier Ränge hinter dem Bronzeplatz, den der Russe Ilja Schurenjow mit 8219 Punkten belegte, blieb Norman Müller mit 8003 Zählern etwas hinter den selbst gesteckten Zielen zurück, durfte aber angesichts seiner langen gesundheitlichen Leidenszeit im vergangenen Jahr dennoch zufrieden sein. Youngster Mathias Brugger aus Ulm musste nach seinem bereits am ersten Tag aufgetretenen Knieproblem noch vor dem Stabhochsprung aufgeben. 

Pascal Behrenbruch erfüllte sich unter den Augen seiner im Stadion weilenden "Kleinfamilie" mit Mutter und Freundin einen Traum und ließ dabei seinen großen Worten nach dem ersten Tag glänzende Taten folgen: "Den Ukrainer hol' ich mir noch", hatte der "Wahl-Este" verkündet und sorgte in einem bis dahin völlig offenen Wetkampf im Speerwerfen für die Vorentscheidung. Während Behrenbruch mit 67,45 Meter auftrumpfte, wurden für Kasjanow lediglich 52,37 Meter registriert – der minimale Vorsprung vor der neunten Disziplin hatte sich auf 246 Zähler vergrößert. Den abschließenden 1500-m-Lauf in guten 4:34,02 Minuten gestaltete er zu seinen "Ehrenrunden". "Es lief überall gut und dabei ist ein richtig geiles Ding herausgekommen. Ich wollte noch 100 Punkte auf mein Götzis-Ergebnis drauf packen und für London sollen es dann noch einmal 100 mehr sein", sagte der WM-Sechste von Berlin 2009, der sich mit seinem Resultat auf Platz sieben der "ewigen deutschen Bestenliste" vorschob und damit TEAM-Präsident Paul Meier (8548) verdrängte.

"Nachdem ich gehört habe, dass Erki Nool wahrscheinlich die Siegerehrung im Zehnkampf macht, will ich natürlich unbedingt auf´s Treppchen," hatte Behrenbruch vor dem ersten Startschuss gesagt und spielte damit auf die Tatsache an, dass der Olympiasieger von 2000 gemeinsam mit Andrej Nazarow im vergangenen Jahr das Coaching des WM-Sechsten von 2009 übernommen hatte. Nach einem guten Auftakt in 10,93 Sekunden über 100 Meter und 7,15 Meter im Weitsprung war er bereits früh auf Kurs Bestleistung. Als dann beim Kugelstoßen die neue "Hausmarke" von 16,89 Meter aufgeleuchtet war, ballte er die Faust und meinte anschließend: "Ich wollte zeigen, wer Chef im Ring ist. Das ist mir ja wohl gut gelungen." Einen kleinen Dämpfer musste er mit übersprungenen 1,97 Meter dann lediglich im Hochsprung hinnehmen. Dennoch lag Behrenbruch 39 Punkte über dem vergleichbaren Zwischenstand in Götzis, wo am Ende 8433 Punkte zu Buche standen. Der mit der Fähre aus Tallin angereiste Mehrkämpfer ballte nach einem gut überstandenen "Nickerchen" am Nachmittag nochmals die Faust, als im 400-m-Lauf in 48,54 Sekunden nur sechs Hundertstelsekunden an seiner Bestzeit fehlten. Hellwach war er auch gleich am Morgen, wo er sich in 14,16 Sekunden über 110 m Hürden ebenso schadlos hielt wie im anschließenden Diskuswerfen (48,24 m).  

Kasjanow, ohne Vorleistung nach Helsinki gereist, hatte sich nach 10,57 Sekunden über 100 Meter und 7,49 Meter im Weitsprung zunächst eindrucksvoll an die Spitze gesetzt, spürte aber erstmals nach Verlassen der Kugelstoßanlage den Atem von Behrenbruch im Nacken. Während sich die beiden Kontrahenten zu Beginn des zweiten Tages zunächst nichts schenkten, übernahm Behrenbruch erstmals nach einer neuen persönlichen Bestleistung von 5,00 Meter im Stabhochsprung die Führung, da der WM-Vierte von Berlin "nur" 4,80 Meter verbuchte.

Müller mit solidem Zehnkampf
"Ich habe erneut gezeigt, dass ich über ein gutes Fundament verfüge. Und im nächsten Jahr möchte ich darauf hohe Häuser bauen", meinte unterdessen Norman Müller, der vor allen Dingen im Hochsprung Punkte liegen ließ, ein großen Einbruch aber insgesamt nicht erlebte. Nachdem er 2,00 Meter gemeistert hatte, zeigte er trotz immer wieder störender Regenschauern bei der Höhe von 2,03 Meter sein Sprungpotenzial, riss dennoch dreimal unglücklich die Latte und zertrümmerte daraufhin seine Sonnenbrille. "Jeder konnte sehen, was ich hier verschenkt habe," meinte der frühere Deutsche Meister aus Halle, der mit 11,08 Sekunden über 100 Meter und 7,24 Meter im Weitsprung solide in den Wettkampf gestartet war und nach 14,88 Meter mit der Kugel durchaus auf eine Medaille spekuliert hatte. Dennoch zeigte auch er eine starke 400-m-Vorstellung in 48,74 Sekunden und bewegte sich nach 14,83 Sekunden über die Hürden sowie 41,12 Meter über seinem Zwischenergebnis von Götzis, wo er 8034 Punkte gesammelt hatte. Allerdings war das kleine Punktepolster nach dem Stabhochsprung (4,80 Meter) wieder aufgebraucht. Zum Abschluss lieferte er dann ansprechende 4:28,47 Minuten über 1500 Meter ab.

Brugger mit Knieproblemen
Mathias Brugger stand nach 11,04 Sekunden über 100 Meter im Weitsprung dagegen kurz vor dem Aus. Ein Sicherheitssprung auf 6,81 Meter nach zwei ungültigen Versuchen hatten den Ulmer schließlich im Rennen gehalten. Der jüngste Teilnehmer im Feld war zwar auch im Hochsprung mit 1,97 Meter etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben, setzte aber in 48,84 Sekunden einen schönen Schluss-Strich unter den ersten Tag. "Ich gehe das hier locker an und genieße es dabei zu sein. Es ist einfach geil," sagte Brugger, der allerdings schon am ersten Tag durch Probleme am Knie ein wenig gehandicapt war und deswegen nach dem Diskuswerfen den Zehnkampf beenden musste. 

Kleine Bildergalerie aus Helsinki von Iris Hensel

Alle Ergebnisse aus Helsinki

Top Ten 2018

1. 8481 Abele, Arthur

2. 8329 Kazmirek, Kai

3. 8304 Brugger, Mathias

4. 8229 Nowak, Tim

5. 8220 Kaul, Niklas

6. 8121 Eitel, Manuel

7. 8048 Enahoro, Ituah

8. 8032 Hutterer, Dennis

9. 8012 Obst, Florian

10. 7547 Bollinger, Marvin

TEAM-App für Smartphones