Pascal Behrenbruch liegt auch dank starker Kugelstoß-Leistung zur Halbzeit bei der EM in Helsinki auf Medaillenkurs (Foto: Kenny Beele).

Zehnkampfteam

Gold für Behrenbruch in Reichweite – auch Müller hofft

Nach dem ersten Zehnkampf-Tag bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki ist der EM-Titel für Pascal Behrenbruch zum Greifen nah. Der Frankfurter zeigte eine "erste Halbzeit" ohne Einbruch, liegt als vorerst Zweiter auf Kurs 8500 Punkte und hat mit 4291 Zählern Tuchfühlung zum führenden Ukrainer Oleksej Kasjanow (4352).

Hinter dem Serben Michail Dudas (4193) meldet auch Norman Müller (4173) als zunächst Viertplatzierter Medaillenansprüche an, während Youngster Mathias Brugger bei seinem ersten großen internationalen Auftritt ein wenig Lehrgeld zahlen musste.

"Ich war heiß auf diesen Wettkampf. Und morgen hol´ ich mir noch den Ukrainer", meinte Behrenbruch und ergänzt: "Nachdem ich gehört habe, dass Erki Nool wahrscheinlich die Siegerehrung im Zehnkampf macht, will ich natürlich unbedingt auf´s Treppchen." Er spielte damit auf die Tatsache an, dass der Olympiasieger von 2000 gemeinsam mit Andrej Nazarow im vergangenen Jahr das Coaching des WM-Sechsten von 2009 übernommen hatte. Nach einem guten Auftakt in 10,93 Sekunden über 100 Meter und 7,15 Meter im Weitsprung war er auf dem Weg zu einem Resultat um die 8400 Punkte. Als dann beim Kugelstoßen die neue Bestleistung von 16,89 Meter aufgeleuchtet war, ballte er die Faust und meinte anschließend: "Ich wollte zeigen, wer Chef im Ring ist. Das ist mir ja wohl gut gelungen." Einen kleinen Dämpfer musste der 27-Jährige mit übersprungenen 1,97 Meter dann aber im Hochsprung hinnehmen. Dennoch lag Behrenbruch unter den Augen seiner im Stadion weilenden Mutter 39 Punkte über dem vergleichbaren Zwischenstand in Götzis, wo am Ende 8433 Punkte zu Buche standen. "Alles läuft perfekt. Es fehlten ein paar Zentimeterchen, aber egal", sagte der "Wahl-Este", der für sich in Anspruch nehmen durfte, als einziger deutscher Teilnehmer mit der Fähre (aus Tallin) angereist zu sein. Dann ballte Behrenbruch nach einem gut überstandenen "Nickerchen" am Nachmittag nochmals die Faust, als im 400-m-Lauf in 48,54 Sekunden nur sechs Hundertstelsekunden an seiner Bestzeit fehlten.

Kasjanow, ohne Vorleistung nach Helsinki gereist, hatte sich nach 10,57 Sekunden über 100 Meter und 7,49 Meter im Weitsprung zunächst eindrucksvoll an die Spitze gesetzt, spürte aber nach Verlassen der Kugelstoßanlage den Atem von Behrenbruch im Nacken. Angesichts der Tatsache, dass der WM-Vierte von Berlin am zweiten Tag keine herausragend starke Disziplin aufweist, scheinen Behrenbruchs Chance auf den Titel durchaus vorhanden zu sein. "Er ist ganz stark auf den Wettkampf fokussiert und zeigt bislang einen guten Wettkampf", ließ sich sein Coach nur ein kurzes Statement entlocken.

Wutentbrannt hatte Norman Müller die Hochsprunganlage verlassen. Nachdem er 2,00 Meter gemeistert hatte, zeigte er trotz immer wieder störender Regenschauern bei der Höhe von 2,03 Meter sein Sprungpotenzial, riss dennoch dreimal unglücklich die Latte und zertrümmerte daraufhin seine Sonnenbrille. "Jeder konnte sehen, was ich hier verschenkt habe. Aber am Ende kann ich zufrieden sein", meinte der frühere Deutsche Meister aus Halle, der mit 11,08 Sekunden über 100 Meter und 7,24 Meter im Weitsprung solide in den Wettkampf gestartet war und nach dem "Wachmacher" im Kugelstoßen mit 14,88 Meter mehr erwartet hatte.Dennoch zeigte auch er nach dem Hochsprung ein starke 400-m-Vorstellung in 48,74 Sekunden.

Mathias Brugger dagegen stand nach 11,04 Sekunden über 100 Meter im Weitsprung dagegen kurz vor dem Aus. Ein Sicherheitssprung auf 6,81 m nach zwei ungültigen Versuchen hatten den Ulmer schließlich im Rennen gehalten. Der jüngste Teilnehmer im Feld war zwar auch im Hochsprung mit 1,97 Meter etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben, setzte aber in 48,84 Sekunden einen schönen Schluss-Strich unter den ersten Tag. "Ich gehe das hier locker an und genieße es dabei zu sein. Es ist einfach geil," sagte Brugger, der allerdings durch Probleme am Knie ein wenig gehandicapt war. Insgesamt zufrieden zeigte sich auch Bundestrainer Rainer Pottel: "Beim Kugelstoßen sind alle drei endgültig wach geworden. Man kann eigentlich rundum zufrieden sein, wenn auch hier und da ein bisschen gefehlt hat."

Alle Ergebnisse aus Helsinki

Top Ten 2018

1. 8481 Abele, Arthur

2. 8329 Kazmirek, Kai

3. 8304 Brugger, Mathias

4. 8229 Nowak, Tim

5. 8220 Kaul, Niklas

6. 8121 Eitel, Manuel

7. 8048 Enahoro, Ituah

8. 8032 Hutterer, Dennis

9. 8012 Obst, Florian

10. 7547 Bollinger, Marvin

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