Weltrekordler Ashton Eaton übernahm mit 10,35 Sekunden im 100-Meter-Sprint bereits nach der ersten Disziplin die Führung im Zehnkampf (Foto/Copyright: Iris Hensel).

Zehnkampfteam

Freimuth unbeirrt, Behrenbruch ”sauer“ bei Eatons Solo

Ein toller Olympia-Auftakt für Rico Freimuth, ein missgestimmter Pascal Behrenbruch und ein rätselnder Jan Felix Knobel - so lautete das Fazit für die deutschen Zehnkämpfer nach dem ersten Tag der Olympischen Spiele in London.

Während Top-Favorit Ashton Eaton mit 4661 Punkten wie erwartet ”einsam“ seine Kreise zog, ist der Hallenser Rico Freimuth mit 4206 Zählern bei seinem olympischen Debüt als Neunter bester Deutscher. Europameister Pascal Behrenbruch erlebte am Ende sogar noch einen Einbruch über 400 Meter (50,04 Sekunden) und ist mit 4108 Punkten als 15. – und damit 183 Zählern weniger als bei seinem Zwischenresultat bei der EM in Helsinki – weit von seinen Medaillenambitionen entfernt. Sein ehemaliger Trainingskollege Jan Felix Knobel konnte angesichts seiner 3938 Zähler und Platz 24 im Zwischenklassement ebenfalls nicht zufrieden sein.

Dabei war das deutsche Trio mit großer Zuversicht in den Wettkampf gestartet. "Alle sind fit", hatte Bundestrainer Rainer Pottel noch kurz vor dem Abflug nach London gesagt. Doch richtig wach war zu Beginn nur Rico Freimuth, der in 10,65 Sekunden nur knapp hinter seinem diesjährigen Götzis-Ergebnis (10,62) lag und im Weitsprung mit 7,21 Meter sogar fünf Zentimeter weiter sprang als Ende Mai in Österreich. Nach 14,87 Meter mit der Kugel lag er auf 8300-Punkte-Kurs, lediglich 78 Punkte hinter dem Bronzeplatz und meinte im ARD-Interview: ”Ich bin eigentlich gut rausgekommen und kann rundum zufrieden sein.“ Dieses Gefühl hielt auch nach einem gelungenen Stoß auf 14,87 Meter und einem soliden Hochsprung über 1,90 Meter an. Abschließende 48,06 Sekunden über 400 Meter rundeten einen durchaus gelungenen Tag für den Dritten der Junioren-EM von 2007 ab. Damit lag er nur 47 Punkte unter seinem Zwischenresultat von Götzis, wo er 8322 Zähler erreicht hatte. ”Mir brennen die Knochen, aber das ist morgen vergessen”, meinte Freimuth.

Pascal Behrenbruch sah die Sache nach 11,06 Sekunden über 100 Meter und 7,15 Meter zunächst noch eher mit einem lachenden als einem weinenden Auge und meinte: ”Alles ist gut und läuft nach Plan.“ Doch von diesem wich er im Kugelstoßen nach für ihn mäßigen 15,67 Meter – damit fehlte ihm über ein Meter im Vergleich zu seinem besten Stoß beim EM-Triumph (16,89) – ab. ”Ich habe beim Einstoßen die 16-m-Linie übertroffen, aber ich war mal wieder recht nervös beim Wettkampf. Ich bin echt sauer auf mich. Dazu kommt, dass man zwar durch die große Zuschauerkulisse motiviert ist, die Konzentration aber durch diesen Höllenlärm etwas darunter leidet. Vielleicht mache ich mir ja Stöpsel ins Ohr“, meinte der Frankfurter, der sich allerdings nach dem Hochsprung am liebsten die Startnummer vom Leib gerissen hatte. ”Über 2,00 Meter traue ich mir eigentlich zu“, hatte der Schützling von Coach Andrej Nazarow vor dem Wettkampf auf den Auftakt einer Verfolgungsjagd gehofft, zumal die Konkurrenten um die Plätze zwei und drei wie der Belgier Hans van Alphen, Weltmeister Trey Hardee aus den USA oder der Ukrainer Oleksej Kasjanow nur wenig Schwächen zeigten. Doch sein Trainer verfolgte ebenso enttäuscht wie er, dass am Ende nur 1,96 Meter auf der Habenseite standen.

Fast schon einer Entschuldigung kamen die Worte von Jan Felix Knobel gleich, der nach enttäuschenden 11,42 Sekunden über 100 Meter und ”standesgemäßen“ 7,05 Meter im Weitsprung meinte: "Es tut mir richtig leid, zumal ich besser bin als das, was rüberkommt. Dabei habe ich mich richtig gut gefühlt“, sagte der U20-Junioren-Weltmeister von 2008, der sich nach zunächst zwei schwachen Versuchen zumindest über seine 15,29 Meter im Kugelstoßen freute. Stunden später verfinsterte sich seine Miene aber wieder, nachdem 1,90 Meter die Endstation im Hochsprung bedeuteten. Seine 49,87 Sekunden über 400 Meter waren am Ende kaum ein Trost. ”Ich weiß wirklich nicht, was bei mir auf der Strecke geblieben ist“, so Knobel.

Ashton Eaton mit souveräner Vorstellung
Bereits nach dem ersten Drittel des Wettkampfs zeichnete sich unterdessen die Überlegenheit von Weltrekordler Ashton Eaton ab. ”Gold ist für ihn reserviert“ hatte Pascal Behrenbruch gesagt und der neue US-Star enttäuschte nicht. Zwar blieb er in 10,35 Sekunden und 8,03 Meter hinter seinen Leistungen beim Weltrekord von Eugene zurück, steigerte sich aber mit der Kugel auf 14,66 Meter und lag bereits 105 Zähler vor seinem Landsman, Weltmeister Trey Hardee. Nach guten 2,05 Meter im Hochsprung ließ Eaton auch über 400 Meter nichts anbrennen und lief zu glänzenden 46,90 Sekunden. 

Kleine Bildergalerie aus London von Iris Hensel

Alle Ergebnisse aus London

Top Ten 2019

1. 8572 Kaul, Niklas

2. 8444 Kazmirek, Kai

3. 8209 Nowak, Tim

4. 8132 Bechmann, Andreas

5. 8128 Eitel, Manuel

6. 8060 Brugger, Mathias

7. 7964 Vollmer, Maximilian

8. 7834 Ruhrmann, Jan

9. 7653 Hutterer, Dennis

10. 7642 Obst, Florian

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