Christopher Hallmann (li.) in Aktion mit Arthur Abele (Foto: spofo.de)

Interview

„Als Bundestrainer immer ,einen Schritt voraus' sein!"

Christopher Hallmann, Trainer der starken Ulmer Mehrkampfgruppe und seit kurzem Bundestrainer Zehnkampf im DLV, spricht mit zehnkampfteam.de über seine langfristigen Ziele und gibt einen Einblick über den aktuellen Stand der Vorbereitung der deutschen Zehnkämpfer auf die anstehenden Wettkämpfe.

Christopher Hallmann, auch wenn der Übergang in den letzten Jahren sicherlich fließend war, so bist du seit April verantwortlicher Bundestrainer für den Zehnkampf. Wie fühlt sich das an?

Dass ich jetzt die Gesamtverantwortung für den deutschen Zehnkampf trage, das spüre ich natürlich jetzt schon deutlich. Als Bundestrainer sollte man immer „einen Schritt voraus“ sein und zukunftsorient denken und handeln. Ich habe neben meiner Trainingsgruppe viel mehr „auf dem Radar“, erhalte sehr viel mehr Informationen und muss/kann Entscheidungen treffen. Wir sind aber ein gutvernetztes Trainerteam, dass ich in der Entscheidungsfindung auch einbeziehe. Zudem kann ich mich auf viele „Verbündete“, unter anderem im Zehnkampf-TEAM, verlassen. Meine Vorfreude auf spannende, ereignisreiche und hoffentlich auch erfolgreiche Zehnkämpfe ist jedenfalls groß.

Was sind mittel- und langfristig deine Ziele und wo siehst du die Schwerpunkte deiner Arbeit, um diese Ziele zu erreichen?

Mittelfristig heißt es, unsere leistungsstarke U23-Riege in die Männerklasse zu überführen, um dort einen nahtlosen Übergang der erfolgreichen „Medaillen-Generation“ (Michael Schrader, Rico Freimuth, Kai Kazmirek, Arthur Abele, Mathias Brugger/Halle) zu gewährleisten. Des Weiteren möchte ich unseren regen Austausch im Trainerteam pflegen und forcieren. Langfristig ist es notwendig, dass der Zehnkampf weiterhin attraktiv für unsere Jugend bleibt. Diese Aufgabe ist nicht ganz einfach, da die Konkurrenz an Medien, Trends oder anderen Sportarten sehr groß ist.

Kurzfristig ist dieses Jahr Anfang Oktober die Weltmeisterschaft in Doha im Fokus. Wie verlief für unsere Top-Zehnkämpfer im Winter/Frühjahr Saisonvorbereitung?

Leider musste Europameister Arthur Abele seine geplante Teilnahme an der Hallen-EM verletzungsbedingt absagen, ebenso Kai Kazmirek - das verlief alles andere als planmäßig. Rico Freimuth dagegen hatte keine Hallensaison geplant und konnte gut traineren. Er hatte zwei erfolgreiche Trainingslager, ist motiviert und wird in Götzis in Form sein.

Bei unseren anderen Kaderathleten stand in den ersten Wintermonaten ihre berufliche Ausbildung im Mittelpunkt: Tim Nowak und Mathias Brugger haben sich im Winter in Ulm vermehrt um ihr Studium gekümmert, wie auch Niklas Kaul und Manuel Wagner in Mainz. Ähnlich erging es auch Manuel Eitel, der von Oktober bis Weihnachten in Kienbaum einen Ausbildungslehrgang bei der Bundespolizei absolvierte.

Seit der Hallensaison haben alle Kaderathleten ihren Fokus wieder voll auf den Zehnkampf gelegt, u. a. hatten wir ein sehr erfolgreiches Trainingslager im März. Der Einzige, der leider immer noch gesundheitliche Probleme hat, ist Arthur. Alle anderen sind belastungsfähig und gut im Training.

Arthur hat seinen Start in Götzis ja leider bereits absagen müssen. Mit welchen Zehnkämpfern dürfen die Fans in Götzis rechnen und wie ist deren aktuelles Leistungsvermögen einzuschätzen?

Aktuell auf der Startliste für Götzis stehen Kai Kazmirek, Rico Freimuth, Niklas Kaul, Mathias Brugger und Tim Nowak. Ein leistungsstarkes und gut durchmischtes Team von erfahrenen und jungen Athleten. Das derzeitige Leistungsvermögen lässt für Götzis hoffen, was dann die ersten Vorbereitungswettkämpfe zeigen werden. Stand heute ist damit zu rechnen, dass alle gesund und fit in Götzis an der Startlinie stehen werden ... Den Fans sei gesagt: Kommt vorbei, das wird spannend und eine Menge Spaß bringen ;-) !

Der erste Zehnkampf der Saison steht bereits am Wochenende an: Die beiden 8000er Tim Nowak und Mathias Brugger starten beim 32. Multistars in Lana/Südtirol. Mit welchen Erwartungen gehen sie in Italien in den Startblock?

Beide sind motiviert, gesund und wollen den kompletten Zehnkampf bestreiten – also nicht nur ein paar Disziplintests durchführen. Ziel der Beiden sind mehr als 8000 Punkte zu erreichen. Sowohl Mathias als auch Tim haben gute Erfahrungen mit einem Zehnkampf früh in der Saison gemacht: Ohne allzu großen Druck, aber in einer Wettkampfsituation, können sie sich Sicherheiten in den Techniken holen, die sie dann Ende Mai in Götzis mit dem Stress des Qualifikationswettkampfes abrufen können.

Die erste gute Nachricht kam letztes Wochenende aus den USA: Beim Bryan-Clay-Meeting erzielte der in den USA studierende Maximilian Vollmer mit 7840 Punkte eine neue Bestleistung und empfahl sich damit für den Thorpe Cup. Hast du Kontakt zu Maximilian, der ja auch zu deiner hochkarätigen Trainingsgruppe in Ulm gehörte?

Maximilian hat seinen Lebensmittelpunkt im Herbst letzten Jahres nach Eugene verlegt. Sein Training wird komplett dort geplant, gelenkt und durchgeführt. Das ist auch gut so, dass er das neue System komplett annimmt. Über so eine große Distanz macht es auch keinen Sinn, dass ich mich bei Trainingsinhalten einmischen würde. Er war die letzten fünf Jahre bei mir und hat meine Trainingsphilosophie durchlebt. Jetzt erfährt er mit dem Training in den USA ganz neue Reize, die ihm gut zu bekommen scheinen. Das freut mich sehr!
 

Für die Nicht-WM-Starter ist der Thorpe Cup am 14. und 15. September in Bernhausen das Highlight der Saison. Wie sehen hier die Qualifikationskriterien und unsere Chancen aus, ein hochkarätiges Team gegen die US-Amerikaner aufzustellen?

Zunächst habe ich mich sehr gefreut, dass die LG Filder, einen unserer zuverlässigsten Veranstaltungspartner, alle Ressourcen in Bernhausen bündelt und zum wiederholten Male den Thorpe Cup ausrichtet. Wir werden im Juni in Ratingen innerhalb der WM-Qualifikation Trials für den Thorpe Cup ausrichten. Die Bestplatzierten hinter den für die WM Qualifizierten werden für den Thorpe Cup nominiert. Wir haben auch die Möglichkeit, zwei Wild-Cards zu verteilen, ich hoffe jedoch, dass wir diese Option nicht brauchen. Selbstverständlich trainieren unsere Athleten täglich und hart dafür, nach unserem Auswärtssieg im letzten Jahr, in diesem Jahr wieder einem Heimsieg gegen die US-Boys zu feiern. Ich glaube fest an die Fähigkeiten unseres TEAMs und werde mir dieses Spektakel nicht entgehen lassen.

Bernhausen steht als Thorpe-Cup-Ausrichter bereit, aber leider gibts es große Probleme, einen Ausrichter für die diesjährigen Deutschen Mehrkampfmeisterschaften zu finden. Gibt es denn Ideen für das nächste Jahr und langfristige Konzepte, um hier eine Planungssicherheit für die Athleten zu gewährleisten?

Zuerst bin ich froh darüber, dass wir mit Leverkusen bereits einen Ausrichter für die Hallen-Mehrkampfmeisterschaften haben. Hier ist der jährliche Wechsel mit Halle an der Saale für die Zukunft ein Modell. Bei den Freiluftmeisterschaften sieht es dagegen derzeit trotz Bemühung der DLV-Wettkampforganisation nicht gut aus. Veränderungen/Modernisierungen des Wettkampfkalenders stehen deshalb selbstverständlich auf meiner Agenda. Wie ich bereits gesagt habe, muss der Zehnkampf weiterhin attraktiv für unsere Jugend bleiben – und da ist ein attraktiver Wettkampfkalender ein wichtiger Baustein. 

 

Anmerkung der Redaktion: Die Deutschen Hallen-Mehrkampfmeisterschaften finden am 1./2. Februar 2020 in Leverkusen statt. Am gleichen Wochenende ist in Köln auch die Süßwarenmesse, sodass es zu Hotelengpässen kommen wird. Diejenigen, die bereits jetzt mit der Meisterschaft planen, sollten entsprechende Zimmer reservieren.

Top Ten 2019

1. 8572 Kaul, Niklas

2. 8444 Kazmirek, Kai

3. 8209 Nowak, Tim

4. 8128 Eitel, Manuel

5. 8060 Brugger, Mathias

6. 7964 Vollmer, Maximilian

7. 7834 Ruhrmann, Jan

8. 7653 Hutterer, Dennis

9. 7587 Zenker, Fynn

10. 7527 Wolf, Jannis

TEAM-App für Smartphones